Bezirk führt eine Katastrophenschutzübung durch und Neu Wulmstorf mischt kräftig mit.
Samstag nach Einbruch der Dämmerung kauerten über 50 Personen zusammen und warteten in dem vom Hochwasser umschlossenen Bullenhausen auf ihre Evakuierung durch die DLRG. Der Wasserrettungszug Harburg war schon den ganzen Tag über im Einsatz und sollte nun abgelöst werden. Der Wasserrettungszug Lüneburg erhielt den Auftrag, da alle Zufahrtswege überflutet waren, die Eingeschlossenen mit Booten von der Elbe her aufzunehmen und sie zum Feuerwehrhaus Over, gut zwei Kilometer entfernt, zu verbringen. So begann die Katastrophenschutzübung. Um die Statisten bei Laune zu halten, wurde durch die Ortsgruppen Neu Wulmstorf und Tostedt am Bullenhausener Elbufer ein Zelt mit Tischen, Bänken und einer Heizung aufgebaut. Jetzt mussten nur noch die Boote kommen.............
Und so begann der Tag:
Um 15 Uhr trafen sich jung und alt am DLRG-Heim.Die Aufgaben der in rot gekleideten Aktiven waren wie folgt verteilt: Matthias und Carsten waren in der Übungsleitung und ständig unterwegs. Lisa, Fabian, Dirk und Hauke bauten am Ausgangspunkt Bullenhausen das Zelt für die Betreuung der wartenden Statisten auf und Udo und Marina fuhren direkt nach Over zum Feuerwehrhaus, um den Bardowicker Betreuungstrup um Lothar Wölk durch Kochen der Erbsensuppe zu unterstützen. Es galt rund 130 Übende, Statisten und Unterstützer zu versorgen. Und natürlich stellte Neu Wulmstorf 27 Statisten. Neben Aktiven waren Familien und Jung und Mädchen der Schwimmgruppen dabei. Ahnungslos, was erwartete, begleite Leonore Füllgrapp (67) ihre Tochter Martina, Schwiegersohn Karsten und Enkelin Louisa zu dieser Übung. Sie war so begeistert, dass sie als eine auf der Trage liegende Verletzte richtig schauspielerische Talente entwickelte.
Gegen 17 Uhr begann es zu nieseln und gute 20 Minuten später hielt der Wasserrettungszug am Deichübergang in Over. Während Zugführer Eckard Menzel dort den ersten Sammelpunkt errichten ließ. Überquerte sein Stellvertreter Karsten Kirchgässler den Deich und erkundete das Gelände. Es musste festgelegt werden, wo die Boote zu Wasser gelassen werden und wie der gesamte Fuhrpark so postiert wird, das er nachfolgende Kräfte nicht behindert und schlimmsten Falles bei Überflutung des Platzes ohne Störungen verlegt werden konnte. Sofort machten sich die Bootsbesatzungen daran, ihre Boote einsatzbereit zu machen. Da die Rampe als zu steil angesehen wurde, um mit Fahrzeug und Anhänger gefahrlos ins Wasser fahren zu können, wurde der Trailer abgekuppelt und mit Hilfe eines umgelenkten Seiles und eines Fahrzeuges zu Wasser gelassen. Das kostete Zeit und so war das erste von drei Booten erst um 18 Uhr im Wasser. Jetzt ging es schneller und die beiden anderen Boote waren zügig im Wasser. Der Technik und Logistiktrupp bereitete sich schon mit Kabeltrommeln, Stromgeneratoren und Scheinwerfern darauf vor, den ganzen Platz zu beleuchten. Die Boote machten sich auf den Weg nach Bullenhausen. Begleitet wurden sie von Booten aus Winsen, die als Sicherung fungierten, falls es doch zu einem richtigen Unglück kommen sollte.
Um das Warten zu verkürzen, ließen sich Anja B., Ulrike und Christian einiges einfallen, um die Kinder bei Laune zu halten. Sehr viel Ablenkung brachte dasFigurenbasteln aus Luftballons.
Zugführer Eckard Menzel bekam den nächsten Auftrag: ein Kleintransporter ist in den „See im großen Moor“ bei Hörsten gefahren. Zu allem Überfluß war er mit einer Gitterbox voll mit Kanistern beladen, die geborgen werden musste, um eine Umweltgefährdung auszuschließen. Der Tauchtrupp des Zuges wurde dorthin geschickt, suchte und fand mit drei Tauchern die Gitterbox und brachte sie mit Hilfe eines Lufthebekissens sicher an Land.
Zeitgleich erreichten die ersten zwei Boote Bullenhausen. Sofort stürmten viele der zu Rettenden auf die Boote zu, um einen sicheren Platz ergattern zu können. Dieser panische Ansturm überforderte die Bootsbesatzungen.
Dies erkannte auch Karsten Kirchgässler, setzte sich kurzer Hand in das dritte Boot und fuhr auch nach Bullenhausen, um die Evakuierung einzuleiten. Schnell wurden die ersten Verletzten auf die Boote verteilt und der Transport begann. Für die Kinder war die Bootsfahrt eine richtige Spaßfahrt. Nach den ersten Transporten atmeten die Bootsbesatzungen auf und glaubten, jetzt wird es ruhiger, doch plötzlich der Schrei „Mann über Bord“. Peter Bumann, Strömungsretter aus Buchholz, hatte einen Neoprenanzug unter seiner Kleidung an, zog sich aus und ließ sich ins Wasser gleiten. Sofort wurden alle Strahler auf ihn gerichtet und er wurde wieder in das Boot gezogen.
In Over angekommen, wurden alle Evakuierten noch einmal erfasst, sanitätstechnisch betreut und zum Feuerwehrhaus Over gefahren. In der ersten Fahrzeughalle wurde eine Verletztensammelstelle eingerichtet und in der zweiten Halle gab es einen Aufenthaltsraum mit Sitzgelegenheiten, in dem Getränke und eine warme Erbsensuppe ausgegeben wurde. Nach und nach erschienen die Evakuierten, aßen die Erbsensuppe und machten sich auf den Heimweg. Für viele war dies ein tolles Erlebnis, man war aber auch froh, nach dieser Anstrengung nach Hause zu kommen.
Nachdem alle Geräte verstaut waren und der übende Zug sich durch die Erbsensuppe gestärkt hatte, kam es zur ersten Auswertung. Bezirksleiter Matthias in seiner Funktion als Bezirksleiter fasste dies zusammen: erfreulich war, dass sich an einem Samstagnachmittag 53 Statisten, 44 Übende und 31 Helfer aus dem Harburger Zug für eine solche Aktion zur Verfügung stellten. Beider Übung selbst gab es anfänglich Verzögerungen, jedoch danach lief der Einsatz. Der Funkverkehr innerhalb des Zuges war gut, jedoch war der Kontakt nach außen zu anderen Stellen spärlicher. Alle Aufgaben wurden gelöst. Er bedankte sich bei allen Teilnehmern für ihren Einsatz und richtete einen besonderen Dank an die Freiwillige Feuerwehr Over, die ihre Räumlichkeiten zur Verfügung stellte und personell mit unterstütze. Gegen 24 Uhr war Übungsende. Unsere Aktiven lagerten in Neu Wulmstorf angekommen noch das Gerät ein und hatten gegen 1 Uhr 30 Feierabend.
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